Was ist Ökologie

1. Definition "Nachwachsende Rohstoffe" Bei dem Begriff "nachwachsende Rohstoffe" handelt es sich um einen relativ neuen Ausdruck ,welcher erst in den letzten Jahren eingeführt wurde. So ergab die Suche in bekannten Nachschlagewerken, wie zum Beispiel dem Brockhaus-Lexikon, keine befriedigenden Ergebnisse hinsichtlich einer klaren Definition. Dies läßt darauf schließen, daß es in Deutschland noch keine allgemein anerkannte Definition gibt. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß sich für einige der Begriff "nachwachsende Rohstoffe" ausschließlich auf Holz beschränkt, andere wiederum selbst Heilpflanzen in den Definitionsbereich einordnen. Nachfolgend soll eine Definition vorgestellt werden, welche dem Verfasser als plausibel und "alltagstauglich" erschien. "Nachwachsende Rohstoffe sind Stoffe, die aus lebender Materie stammen und vom Menschen zielgerichtet für Zwecke außerhalb des Nahrungs- und Futterbereiches verwendet werden"

Durch diese Definition kommt es zu einigen Ein- und Ausgrenzungen, welche näher untersucht und dargelegt werden müssen. Der wohl größte Konfliktpunkt ist sicherlich die Fragestellung ob Leder, Schafwolle oder Tierhaar im allgemeinen, also tierische Produkte zu den nachwachsenden Rohstoffen gezählt werden sollten. Nach der ausgewählten Definition ist dies zwar zu bejahen, doch es muß festgestellt werden, daß es sich bei derartigen Stoffen meist um Nebenprodukte aus der Nahrungsmittelerzeugung handelt. In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, daß der Bereich "tierische Produkte" nicht Bestandteil des Förderkonzeptes des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist.

Zur weiteren Eingrenzung wurde der Begriff der zielgerichteten Nutzung mit in die Definition aufgenommen. Dadurch werden zum Beispiel Zierpflanzen bewußt ausgeschlossen. Über die Festlegung auf Zwecke außerhalb des Nahrungs- und Futterbereiches, dem sogenannten "non food" Bereich, werden auch Gewürzpflanzen ausgeschlossen. Aus der Definition geht weiterhin hervor, daß nicht eine bestimmte Pflanze zu den nachwachsenden Rohstoffen gerechnet werden kann, sondern vielmehr der aus ihr gewonnene Rohstoff. Somit kann eine Pflanze bestenfalls zur Erzeugung nachwachsender Rohstoffe genutzt werden. Abschließend bleibt zu erwähnen, daß für fast alle wirtschaftlich wichtigen Pflanzen, die in der Land- und Forstwirtschaft Deutschlands Verwendung, finden Einsatzmöglichkeiten im Nichtnahrungsbereich bestehen oder es Versuche hinsichtlich ihrer Nutzung in diesem Bereich gibt.

2. Umweltwirkungen von Gebäuden

"Jedes Gebäude, jede Siedlung ist ebenso wie etwa ein Auto oder eine Industrieanlage ein umweltbelastendes Objekt" Mit diesem an den Anfang gestellten Zitat soll die Tragweite der Problematik von Umweltwirkungen von Gebäuden verdeutlicht werden. Bislang wurde die Verantwortung von Architekten, Ingenieuren, Baustoffherstellern, Handwerkern usw. für die Umwelt meist stark unterschätzt. Vor dem Hintergrund eines sich verändernden Umweltbewußtseins und einer zunehmenden Ressourcenverknappung wird sich auch die Baubranche ökologischen Betrachtungsweisen nicht verschließen können. Immerhin zählt die Bauwirtschaft zu den größten Wirtschaftszweigen Deutschlands. Ein beträchtlicher Anteil der Schadstoffemissionen Deutschlands ist auf den Wohnungsneubau und die Nutzung von Wohngebäuden zurückzuführen. Für die am Bau Beteiligten aber auch für die Gebäudenutzer besteht die Aufgabe nun in einer Reduzierung des Anteiles der Schadstoffemissionen. Grundsätzlich lassen sich die Umweltwirkungen von Gebäuden vier verschiedenen Phasen zuordnen. 1. Phase der Rohstoffgewinnung und Produktion von Baustoffen 2. Bauphase des Gebäudes (Errichtung) 3. Phase der Nutzung des Gebäudes 4. Phase der Wiederverwertung (Abbruch, Recycling)

In der Phase der Rohstoffgewinnung und Produktion von Baustoffen ist der Verbrauch an Energie, der sogenannten Herstellungsenergie, sicherlich als größte Umweltwirkung zu nennen. Darin enthalten sind sowohl der Energieverbrauch für den Abbau der Rohstoffe als auch für den Transport und die Verarbeitung der Rohstoffe (z.B. das Herstellen und Brennen von Ziegeln). Als weitere wichtige Umweltwirkungen sind der Ressourcenverbrauch (z.B. Abbau von Ton, Kies usw.) aber auch der Landschaftsverbrauch zu nennen. Des weiteren wird in der Phase der Rohstoffgewinnung und Produktion von Baustoffen eine Vielzahl von Schadstoffen freigesetzt. Einer der wichtigsten Schadstoffe ist sicherlich das den "Treibhauseffekt" verursachende Gas CO2. Abschließend sollen auch Wasserverschmutzung, Lärm und im Produktionsprozeß anfallende Abfälle und Reststoffe noch erwähnt werden.

Auch während der Bauphase des Gebäudes kommt es zu erheblichen Umweltwirkungen. Es spielen mikroklimatische und landschaftliche Veränderungen sowie Bodenversiegelung und Flächeninanspruchnahme eine große Rolle. Der Transport der Baustoffe und Bauteile auf die Baustelle und der damit verbundene Energieverbrauch ist ebenfalls als Umweltwirkung zu betrachten. Beim eigentlichen Bauprozeß kommt es zur Freisetzung von Schadstoffen wie z.B. Lösungsmittel aus Farben und Lacken. Eine Vielzahl von Reststoffen fällt während des Bauprozesses an. Bedauerlicherweise findet momentan noch keine befriedigende Trennung der Baustellenabfälle statt, so daß eine Vielzahl von wiederverwertungsfähigen Stoffen mit tatsächlichen Abfällen zusammen entsorgt werden. Der Verbrauch an elektrischer Energie für Baumaschinen wie z.B. Mischer, Baukran usw. ist mit in die Betrachtung der Umweltwirkungen einzubeziehen. Die Phase der Nutzung stellt unter normalen Bedingungen den längsten Zeitabschnitt im Kreislaufschema eines Gebäudes dar. Daraus resultiert die besondere Gewichtung dieses Abschnittes.

Zwischen dem betrachteten Gebäude und der Umwelt bestehen eine Vielzahl von Wechselwirkungen. Es wird zwischen zwei verschiedenen Systemen unterschieden. Das erste System stellt das "normale Haus" mit einer linearen Verbrauchswirtschaft dar. Die Ressourcen werden nur ungenügend genutzt. Im "normalen Haus" erfolgt ein Verbrauch der Inputgrößen. Im Einzelnen bedeutet das:

·Frischluft wird aufgenommen und als Abluft bzw. Abgas an die Umgebung wieder abgegeben.

· Energie (elektrische Energie, Kohle, Öl, Gas, Holz u.s.w.) wird genutzt und es entsteht Abwärme, eine Vielzahl von Abgasen (z.B. CO2, SO2), welche sich auf das Klima auswirken und natürlich Reststoffe (z.B. Asche), die entsorgt werden müssen.

· Frischwasser wird genutzt und als Abwasser, welches durch Wasch- und Reinigungsmittel usw. stark belastet ist, wieder an die Umwelt abgegeben.

· Materialien und Güter werden genutzt und Abfälle (z.B. Verpackungen) wieder an die Umwelt abgegeben.

· auftretender Lärm beeinflußt die Umwelt Das "normale Haus" verursacht also relativ starke negative Umweltwirkungen. Es entstehen relativ hohe Kosten für die notwendigen Ver- und Entsorgungseinrichtungen.

Als natürliche Kreislaufsysteme bezeichnet man den Energiehaushalt, den Materialhaushalt (Vegetation), den Wasserhaushalt und den Lufthaushalt. Im ökologischen Haus erfolgt eine innere Vernetzung dieser einzelnen Teilsysteme. Auf diese Weise ist es möglich, z.B. durch Nutzung alternativer Energien die Umweltwirkungen des Hauses positiv zu beeinflussen. So ist es heute bereits möglich, den Wärmebedarf fast vollständig durch passive und aktive Sonnenenergienutzung zu decken. Der Einsatz fossiler Energieträger kann auf diese Weise stark reduziert werden, wodurch es wiederum zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes kommt. Durch den Aufbau von Materialkreisläufen ist es möglich, Abfallmengen entscheidend zu reduzieren. Ein weiterer Schritt zur Minimierung der Abfallmengen ist die Vermeidung von kurzlebigen Gebrauchsgütern. Der anfallende Hausmüll sollte einer Trennung unterzogen werden, um eine Wiederverwertung zu ermöglichen.

Der Wasserhaushalt des "ökologischen Hauses" fügt sich harmonisch in den natürlichen Wasserhaushalt ein und erreicht dadurch eine Verringerung der negativen Umweltwirkung des Gebäudes. Dies geschieht insbesondere durch die Nutzung von Regenwasser und die Trennung von Brauchwasser und Fäkalien. Die Trennung ermöglicht eine Rückführung bzw. Nutzung der schwach belasteten Abwässer.

Im Bereich des Lufthaushaltes wird ein ausgewogener CO2-Haushalt angestrebt. Das bedeutet, daß nur so viel fossiler Brennstoff verbrannt und damit CO2 freigesetzt wird, wie auf der anderen Seite durch die pflanzliche Umsetzung gebunden wird. Dadurch erfolgt eine nachhaltige Entlastung der Umwelt und eine Reduzierung des Ausstoßes von CO2.

Im direkten Vergleich wird sehr schnell deutlich, daß eine nachhaltige Reduzierung der Umweltwirkungen von Gebäuden in der Phase der Nutzung nur durch eine ökologische Bauweise möglich ist. Es gilt also, die konventionelle Bauweise des "normalen Hauses" durch die des "ökologischen Hauses" zu ersetzen, um die Umweltwirkungen von Gebäuden möglichst gering zu halten. Die Phase der Wiederverwertung (Abbruch, Recycling) gewinnt in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung. Beispiele des Abbruchs bzw. Rückbaus alter Industrieanlagen und Kraftwerke zeigen deutlich die Problematik der Umweltwirkungen in dieser Phase. Oftmals ist es nur unter großem technischen Aufwand möglich einen umweltverträglichen Rückbau durchzuführen. Das Entweichen von giftigen Gasen oder Stäuben muß wirkungsvoll verhindert werden. In diesem Zusammenhang soll auf die Sanierung bzw. den Rückbau asbestbelasteter Gebäude oder Gebäudeteile hingewiesen werden. Eine weitere wichtige Umweltwirkung besteht in der Notwendigkeit der Endlagerung verschiedener nicht recyclingfähiger Stoffe (Gebäudeteile). Die Endlagerung ist wiederum mit einem Flächenverbrauch und damit Eingriffen in die Natur verbunden.

Aber auch der Rückbau und der damit verbundene Energieeinsatz stellt eine mehr oder weniger große Belastung der Umwelt dar. Der Energieeinsatz im Zuge eines Rückbaus ist stark abhängig vom gewählten Rückbauverfahren. Resümee: Umweltwirkungen von Gebäuden wurden in der Vergangenheit leider nur unzureichend betrachtet. In der Zukunft wird die Betrachtung der Umweltwirkungen von Gebäuden sicherlich noch an Stellenwert gewinnen. Dies begründet sich durch ein sich veränderndes Umweltbewußtsein und eine Ressourcenverknappung. Aus den vorangegangenen Betrachtungen wird deutlich, daß sich die Umweltwirkungen von Gebäuden in einem erheblichen Maße positiv verändern lassen. Daraus resultiert die schon am Anfang dieses Kapitels erwähnte Verantwortung sowohl für den Planer und die am Bau Beteiligten, als auch die Bewohner oder Nutzer der fertiggestellten Gebäude. Der Planer hat die Möglichkeit, durch eine gezielt ökologische Planung die lineare Verbrauchswirtschaft zu durchbrechen und in den Naturhaushalt eingebundene Gebäude zu schaffen.

3. Ökobilanz

"Die ungehemmte Nutzung der endlichen Ressourcen und die daraus resultierenden Umweltbelastungen sind in den letzten zwei Jahrzehnten in das allgemeine Interesse gerückt". Mit der Feststellung, daß auch jede bauliche Aktivität umweltbelastende Auswirkungen hat, wuchs der Wunsch nach einem Instrumentarium oder einer Kenngröße zur Beurteilung eben dieser Auswirkungen. Zur Erstellung von Bauwerken werden Baustoffe gewonnen und transportiert. Des weiteren erfolgt eine Versiegelung von Freiflächen und es werden während der Produktion der Baustoffe und selbstverständlich auch während des eigentlichen Bauprozesses, eine Vielzahl von Stoffen (Schadstoffen) an Luft, Wasser und Boden abgegeben. Mit einer Vielzahl von methodischen Ansätzen versucht man seit nunmehr fast 30 Jahren den Einfluß dieser Aktivitäten zu erfassen. Dabei kam es sehr oft zu Mißverständnissen. In den 60er und 70er Jahren ging man davon aus, daß allein ein drastisches Senken des Energie- und Materialeinsatzes als Lösungsansatz genügen würde. Man rückte die Bilanzierung von Material- und Energieströmen in den Mittelpunkt. Das Schließen von Kreisläufen, insbesodere von Materialkreisläufen, wurde kaum realisiert. Ein weiterer methodischer Ansatz wurde in den 80er Jahren entwickelt. Man ging davon aus, daß Ökosysteme ähnlich wie Wirtschaftssysteme zu bilanzieren wären. Es wurde versucht, über sogenannte "Ökopunkte" eine "Umweltwährung" zu schaffen. Dieser Versuch schlug aber fehl, da man nicht in der Lage war komplexe Wirkungsbeziehungen ausschließlich über "Ökopunkte" darzustellen. Für die Analyse derartiger Wirkungsbeziehungen wurde erstmals der Begriff "Ökobilanz" verwendet. In den 90er Jahren wurde ein systemanalytischer und wirkungsbezogener Ansatz getroffen. Dadurch gelang ein Durchbruch im Hinblick auf einen weitgehend allgemeingültigen Bilanzierungsansatz. Es ist zu erwähnen, daß dieser Bilanzierungsansatz vorerst auf Produkte beschränkt ist, die sogenannte Produktbilanz. Um die Komplexität einer Ökobilanz verstehen zu können muß eine Definition des Begriffes getroffen werden. Ökobilanzen sind Instrumente zur Abschätzung der Umweltwirkungen entlang des Lebensweges eines Produktes, das heißt von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung, Nutzung, Wieder- und Weiterverwertung bis hin zur Entsorgung. Sie haben die Aufgabe, die mit Produkten in Verbindung stehenden Wirkungen auf die Umwelt zu erfassen, transparent aufzuarbeiten und zu bewerten. Die Produktökobilanz wird auch als LCA bezeichnet, der Abkürzung für die englische Bezeichnung "Life Cycle Assessment". 5 Nachfolgend soll nun der Aufbau, die Anwendung und die Interpretation einer Ökobilanz näher dargestellt werden.

4. Ökologische Rucksäcke (MIPS)

Hinter der Bezeichnung "Ökologische Rucksäcke" verbirgt sich ein weiteres Konzept zur Beurteilung des ökologischen Verhaltens von Baustoffen. Grundlage dieses Konzeptes ist die Betrachtung der Stoff- und Energieströme, die für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung bewegt werden müssen. Daher resultiert auch die englische Bezeichnung "material intensity per service unit" ( Materialeinsatz pro Serviceeinheit ) kurz MIPS. Im Gegensatz zur Betrachtung des Primärenergieinhaltes ist bei diesem Konzept nicht der Energieverbrauch, sondern eben der Materialeinsatz pro Serviceeinheit das Bewertungskriterium. Die Angabe des Materialeinsatzes wird in sogenannte Module aufgeteilt und erfolgt in Kilogramm oder Tonnen.

5. Anforderungen an Baustoffe und Bauprodukte

Die Anforderungen an Baustoffe und Bauprodukte lassen sich am besten über eine Betrachtung der Begriffe "Bauen" und "Wohnen" charakterisieren. So umfaßt der Begriff des Bauens unter anderem die Aspekte der Konstruktion und die damit in Zusammenhang stehenden technischen bzw. physikalischen Eigenschaften von Baustoffen. Weiterhin spielen sicherlich auch der Aspekt der Langlebigkeit und ökonomische Betrachtungen eine wichtige Rolle. Von besonderem Interesse sind die verarbeitungstechnischen, also die baupraktischen Aspekte. Mit dem Begriff des Wohnens verbinden sich Aspekte der physiologischen und psychologischen Eigenschaften von Baustoffen. Als besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang die toxikologischen Merkmale und die Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Nutzer einzustufen. Da sich der Prozeß des Wohnens für gewöhnlich über einen längeren Zeitraum erstreckt spielen die Langzeitwirkungen und Langzeiteigenschaften von Baustoffen und Bauprodukten eine große Rolle. Aber auch die Beständigkeit und das Brandverhalten stellen wichtige Aspekte dar. Die Anforderungen an Baustoffe und Bauprodukte werden den einzelnen Phasen des Kreislaufschemas zugewiesen. Unter ökologischen Gesichtspunkten muß in der Phase der Produktion (Herstellung) auch der Aspekt des Rohstoffabbaues betrachtet werden. So sollten moderne Baumaterialien aus gut verfügbaren oder noch besser aus erneuerbaren Rohstoffen bestehen. Eine nachhaltige Schonung der Ressourcen ermöglicht auch zukünftig den Einsatz von wertvollen Rohstoffen. Zu favorisieren ist nach Möglichkeit der Einsatz nachwachsender Rohstoffe wie z.B. Holz, welches in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Der Rohstoffabbau sollte möglichst schonend erfolgen und mit nur kleinen Eingriffen in die Natur verbunden sein. Lange Transportwege für die Rohstoffe sind zu vermeiden. Des weiteren sollten Rohstoffimporte aus Ländern mit geringen Auflagen hinsichtlich des Umweltschutzes möglichst vermieden werden. Baustoffe und Bauprodukte sollten nach Möglichkeit umweltschonend hergestellt werden. Der Primärenergieinhalt von Baustoffen und Bauprodukten soll möglichst gering sein. Das heißt, der Einsatz von Energie und der Ausstoß von Schadstoffen im Zuge der Produktion sind zu minimieren. In der Phase der Verarbeitung spielen arbeitshygienische Faktoren eine entscheidende Rolle. So sollten Baustoffe bei der Verarbeitung möglichst keine Schadstoffemissionen freisetzen, um den mit der Verarbeitung betrauten Personen keine gesundheitlichen Schäden zuzufügen, bzw. um den Aufwand an Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz gering zu halten (Lösemittelemissionen, lungengängige Fasern). Aber auch die leichte Verarbeitung und Handhabung der Produkte stellt eine Anforderung dar. Weiterhin ist die Frage, wie eventuelle Reststoffe zu entsorgen oder gar wieder zu verwenden sind, von großer Wichtigkeit. Abschließend soll noch auf den Aspekt der Lagerungsfähigkeit hingewiesen werden. In den Industrienationen halten sich die Menschen durchschnittlich 80-90% ihrer Zeit in umbauten Räumen, also in Innenräumen wie Wohnungen, Schulen, Büros und Arbeitsräumen auf. Daraus ergeben sich hinsichtlich der Nutzung folgende Anforderungen: Baustoffe sollen im Zuge der Nutzung

· durch Farben, Formen und Proportionen eine positive ästhetische Wirkung erzielen
· keine Luftfremdstoffe, Partikel, Fasern usw. an die Raumluft abgeben
· eine hohe Beständigkeit im Hinblick auf Abrieb/Abnutzung, chemische Einflüsse, Feuchte, Temperatur, Korrosion und Schädlinge aufweisen
· eine möglichst hohe "Lebenserwartung" haben und damit einen langen Nutzungszeitraum gewährleisten
· eine geringe Reparaturanfälligkeit haben
· keine Schadstoffe freisetzen (toxische Wirkung)
· positive Wirkung auf das Innenraumklima haben (diffusionsoffen, sorptionsfähig, wärmedämmend, wärmespeichernd, schalldämpfend)

Ein Aspekt der immer mehr Bedeutung erhält ist sicherlich die psychologische Wirkung von Baustoffen. Dabei handelt es sich um subjektive Wahrnehmungen wie z.B. das Sicherheits- oder auch das Geborgenheitsgefühl. Die zentrale Anforderung im Hinblick auf den Unterhalt des Gebäudes ist, daß die Bauteile mit einer kürzeren "Lebenserwartung" als das Gesamtbauwerk sich relativ problemlos entfernen lassen müssen. Dies sollte ohne eine massive Beeinträchtigung der langlebigen Bauteile möglich sein. Für den Fall des Rückbaues ist es wichtig, daß sich die Bauteile ohne größeren Aufwand wieder in ihre Ausgangsmaterialien zerlegen lassen. Dadurch wird es eventuell möglich, diese wieder zu verwenden und somit einer Deponierung aus dem Weg zu gehen. Zukünftig wäre sogar eine Wiederverwendung ganzer Baugruppen anzustreben. Versuchsweise werden derartige Ansätze bereits mit Baugruppen aus ehemaligen Plattenbauten durchgeführt. Bedauerlicherweise wurde in der Vergangenheit der Problematik des Rückbaues nur wenig Bedeutung beigemessen, so daß bei vielen Bauteilen aufgrund der Untrennbarkeit nur die Deponierung bzw. das Recycling als Lösung bleibt. Für den Fall des Recyclings von Baustoffen und Bauteilen macht sich eine eindeutige Bezeichnung in Form einer Baustoffdeklaration erforderlich, da ansonsten eine eindeutige Zuordnung der anfallenden Stoffe einfach nicht möglich ist. In diesem Zusammenhang muß aber auch darüber nachgedacht werden, was mit den anfallenden Reststoffen geschieht und in welchem Maße Emissionen während des Recyclingprozesses auftreten.

6. Notwendigkeit des Einsatzes nachwachsender Rohstoffe

Die Tatsache, daß die Vorkommen an Öl, Gas und einer Vielzahl anderer nicht regenerativer Rohstoffe in absehbarer Zeit zu Ende gehen, ist seit langem bekannt. Spätestens mit der Energiekrise in den 70er Jahren wurde dies deutlich. Zwar hat der Mensch schon immer die Ressourcen der Natur genutzt, allerdings in wesentlich geringerem Maße als dies seit Beginn der Industrialisierung der Fall ist. Durch die industrielle Produktion von Massengütern stieg der Bedarf an Rohstoffen stetig an. Lange Zeit wurden die negativen Wirkungen der Industrialisierung und die ungehemmte Nutzung nicht regenerativer Ressourcen geflissentlich übersehen. Aber durch eine Vielzahl von Störfällen und Umweltkatastrophen wuchs die Sensibilität für Umweltprobleme. Die Probleme der CO2-Emissionen und der damit verbundene Treibhauseffekt sowie die Problematik der Kernenergienutzung stehen mittlerweile im öffentlichen Interesse und sind Bestandteil von Politik und Gesetzgebung. Nachfolgend soll der positive Effekt der nachwachsenden Rohstoffe auf den CO2-Haushalt dargestellt werden. Grundsätzlich ist die Abgabe von CO2 an die Atmosphäre ein natürlicher Vorgang. Durch die eingangs bereits erwähnte starke Nutzung fossiler Energieträger kam es aber zu einem starken Anstieg der CO2-Konzentration der Erdatmosphäre. Durch diesen Anstieg wird eine Verringerung der Abstrahlung der Sonnenenergie von der Erdatmosphäre weg bedingt. Ergebnis dieses Prozesses ist eine globale Erwärmung, der sogenannte Treibhauseffekt. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe verhält sich CO2-neutral. Das heißt, durch die Pflanzen wird das Kohlendioxid im Zuge der Photosynthese aus der Luft entnommen und in der organischen Substanz gebunden. Erst mit einer Kompostierung oder Verbrennung der Pflanze wird das gebundene Kohlendioxid wieder frei. Pflanzen sind also in der Lage, durch Bindung von CO2 über längere Zeiträume hinweg den Kohlendioxidhaushalt der Erde positiv zu beeinflussen.

Beim Bau von Häusern aus Holz wird das im Holz gebundene CO2 für die Lebensdauer des Hauses, also für 50 oder mehr Jahre gebunden. Betrachtet man weiterhin die Möglichkeiten des Einsatzes von nachwachsenden Rohstoffen in der Baubranche, so wird sehr schnell deutlich, welches Potential an CO2-Bindung möglich ist. Die in der Baubranche verarbeiteten Stoffmengen dürften hinsichtlich des Volumens zu den größten der Wirtschaft zählen. Durch einen verstärkten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen ist sicherlich auch das zweite große Problemfeld, nämlich die Schonung der nicht regenerativen Ressourcen, positiv zu beeinflussen. Durch Überlegungen und Anstrengungen auf dem Gebiet der Recyclingwirtschaft wird sich die Erschöpfung der nicht regenerativen Ressourcen bestenfalls verzögern, nicht aber verhindern lassen. Die Einsatzmöglichkeiten von nachwachsenden Rohstoffen in der Baubranche sind sehr vielfältig. Oftmals verbinden sich mit Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen bessere physiologische und psychologische Eigenschaften als dies bei herkömmlichen Baustoffen der Fall ist. Näheres dazu wird im Kapitel " Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen" dargestellt. Ein weiteres wichtiges Argument für einen Einsatz nachwachsender Rohstoffe ist sicherlich die positive Wirkung auf die Wirtschaft, speziell die Chance für die regionale Landwirtschaft. In Zeiten von Überproduktion und Preisverfall im Bereich der Nahrungsmittel kann der Anbau nachwachsender Rohstoffe eine Einkommensalternative für die Bauern sein. Des weiteren kann durch den Anbau ein Erhalt des durch Landwirtschaft geprägten Landschaftsbildes erreicht werden (Kulturlandschaft). An dieser Stelle soll ein Zitat von Dr. Nasir El Bassam noch einmal die Notwendigkeit des Einsatzes von nachwachsenden Rohstoffen unterstreichen. "Der breite Einsatz nachwachsender Rohstoffe bietet endlich die Chance, die auch ergriffen werden muß, um die stoffliche und energetische Bilanz dieser Erde in das notwendige Gleichgewicht zu bringen. Der Weg kann nur über den allmählichen Ausstieg aus dem Raubbau an endlichen fossilen Rohstoffen und den Einstieg in den nachhaltigen Gebrauch regenerativer Rohstoffe führen" Abschließend werden die Vorteile nachwachsender Rohstoffe noch einmal stichpunktartig genannt. Nachwachsende Rohstoffe bieten folgende wesentlichen Vorteile:

1. Verminderung des Treibhauseffektes durch eine Reduzierung der CO2-Emissionen und die Möglichkeit einer langfristigen CO2-Bindung

2. Schonung der begrenzten fossilen Rohstoffe im Rahmen der Vorsorgestrategie sowie Stabilisierung des Naturkreislaufes durch Einbindung nachwachsender Rohstoffe

3. Nachwachsende Rohstoffe sind reproduzierbar und bieten wegen ihrer biologischen Abbaubarkeit (Umweltfreundlichkeit) wesentliche Vorteile gegenüber fossilen Rohstoffe

4. Entlastung der Nahrungsmittelmärkte durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe bei gleichzeitiger Schaffung von Produktionsalternativen für die Landwirtschaft

5. Im Bereich der Landwirtschaft tragen nachwachsende Rohstoffe mittel- und langfristig dazu bei, stillgelegte Flächen umweltfreundlich zu bewirtschaften und gegebenenfalls die Einkommenslage der Betriebe zu verbessern.